Thank you, community: Warum wir gerade jetzt aufeinander achten müssen

You won’t go lonely, yeah“

– Dermot Kennedy / After Rain

Während das Coronavirus täglich mehrere zehntausende Menschen weltweit infiziert, wird auch in Deutschland Social Distancing immer notwendiger.

Zum einen, um sich selbst möglichst nicht zu gefährden; zum anderen, um Personen aus der Risikogruppe zu schützen – und damit wiederum unser Gesundheitssystem nicht zu belasten.
Denn wenn die Intensivstationen der Krankenhäuser überfüllt sind mit an COVID-19 Erkrankten, dann ist kein Platz mehr für neue Infizierte mit schweren Symptomen, die dringend Intensivbetreuung benötigen. Und dann ist auch kein Platz für andere Verletzte und Erkrankte. Deshalb: #flattenthecurve. Helft mit, unser Gesundheitssystem weiterhin zu stabilisieren, unsere Eltern, Großeltern und Freunde mit Vorerkrankungen zu schützen, unsere Gesellschaft weiter zu stärken.

Social Distancing: #bleibtzuhause

Unsere Gesellschaft unterstützen wir also, indem wir einfach zuhause bleiben und nur noch für die wichtigsten Erledigungen die eigene Wohnung verlassen: Einkaufen, zum Arzt, Joggen oder ein Spaziergang (maximal zu zu zweit!), Menschen aus der Risikogruppe entlasten. Für die verbleibende Zeit heißt es: Home Office (soweit möglich – vielen Dank an dieser Stelle an alle ÄrztInnen, Schwestern, BäckerInnen, PolizistInnen, SanitäterInnen und VerkäuferInnen, die für uns weiterhin ihrem Job nachgehen), mal wieder die Wohnung entstauben, Fenster putzen, den Kleiderschrank aussortieren, den Bücherstapel reduzieren, täglich Yoga machen, endlich mal mit dem Häkeln anfangen und vielleicht doch nochmal das Gitarrespielen üben. Sich einfach mal Zeit nehmen für all die Dinge, die man immer gemacht haben wollte.

Social Distancing bedeutet aber auch: keine Abende mit Freunden in Clubs, Kneipen oder Bars, kein Angrillen bei Sonne und 17 °C im Park. Und vor allem: kein Körperkontakt. Insbesondere für Menschen, die allein wohnen – und noch mehr für Menschen, die allein wohnen und zur Risikogruppe gehören. Die sich im Idealfall nicht einmal den Spaziergang an der frischen Luft erlauben sollten, um die Gefahr für sich selbst möglichst zu minimieren.

Für uns alle ist es hart, nicht wie sonst ganz selbstverständlich Zeit mit unseren Menschen zu verbringen. Wir sind social beings, Isolation bekommt uns nicht gut – Isolation auf unbestimmte Dauer noch weniger. Laut dem Deutschlandfunk erhalten die Telefonseelsorgen aktuell doppelt so viele Anrufe wie vor der Coronakrise – knapp drei Viertel davon von Frauen. Isolation wirkt sich also auf unsere mentale Gesundheit aus: Ängste und Depressionen können Folgen sein. Aber was mit denen, die ohnehin mit einer psychischen Erkrankung zu kämpfen haben?

Social Distancing bei psychischer Erkrankung

Da ich nicht weiß, wie es anderen in dieser Situation geht und nichts von Freunden mit ähnlichen Herausforderungen erzählen möchte, die solche Informationen möglicherweise nicht veröffentlicht haben wollen, kann ich natürlich nur von mir ausgehen.
Ich merke, wie ich insbesondere tagsüber schneller vereinsame. Mir fehlt die tägliche, direkte Interaktion mit meinen Arbeitskollegen. Und habe ich einmal für zwei Stunden am Stück keine Videocalls, spüre ich vergleichsweise schnell die Unruhe in mir, dieses Gefühl, nicht nur allein, sondern auch einsam zu sein. Tagsüber fehlen mir die spontanen Gespräche mit Kollegen in der Küche, abends die Treffen mit Freunden. Vor allem vermisse ich den körperlichen Kontakt; die Umarmungen, das Kuscheln.

Ich lande schneller in Gedankenspiralen, wenn ich darüber nachdenke, ob wir einen ähnlichen Lockdown wie in Italien bekommen: Darf ich dann meinen Freund nicht mehr besuchen und muss komplett auf körperlichen Kontakt verzichten? Muss ich mit den Spaziergängen aufhören und mit dem Joggen, was mir gerade als Ersatz für mein Training dient? In meiner Straße, einer Einbahnstraße mit mehr Büros und Pensionsunterkünften als tatsächlichen Wohnungen, passiert einfach nichts – selbst um 21 Uhr klatschen dort nur zwei Leute.
Was ist, wenn mir die Decke auf den Kopf fällt und ich nichts dagegen tun kann? Was ist, wenn ich eine Panikattacke nicht mehr durch einen kurzen Gang nach draußen vermeiden kann? Und was ist, wenn vielleicht das Netz aus Überlastung zusammenbricht und ich weder Freunde noch Familie noch Arbeitskollegen erreiche? Was ist, wenn ich ein Wochenende lang auf mich allein gestellt bin, ohne jeglichen menschlichen Kontakt?

Schon jetzt sorgen diese Gedankenspiralen zeitweise für Angstschübe, die ich durch Nachrichten an meine Menschen, durch eine Auszeit auf der Fensterbank oder durch einen Videocall mit Arbeitskollegen schnell unterbunden bekomme. Aber wie sieht das Ganze in zwei Wochen oder zwei Monaten aus?

Und: Was ist mit Menschen aus Risikogruppen, die neben Asthma, Herzfehler oder anderen Vorerkrankungen auch mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen haben? Die schon jetzt keinen Ausgleich durch einen Gang an der frischen Luft finden können?

Gemeinsam in Isolation: Helft und lasst euch helfen!

So wichtig Social Distancing also gerade ist, so sehr kann es auch unsere mentale Gesundheit belasten – insbesondere, wenn diese ohnehin schon vorbelastet ist. Deshalb ist es aktuell notwendig, dass wir aufeinander achten; dass wir helfen und uns helfen lassen.

DISCLAIMER: Im folgenden Abschnitt kann ich euch nur sagen, wie ich mich zeitweise fühle und was mir aktuell hilft – und vielleicht kann ich damit den einen oder anderen ebenfalls unterstützen. Es ist aber durchaus möglich, dass ihr die Tipps ganz beschissen findet, weil euch genau das Gegenteil durch die schwierigen Tage bringt. Falls das der Fall ist, schreibt mir gern – dann kann ich dazulernen und diese Liste mit euren Tipps ergänzen.

Wenn ihr in eurem Umfeld Menschen mit psychischen Erkrankungen habt:

  • Meldet euch bei euren Freunden, Familienmitgliedern oder Bekannten. Schreibt ihnen, fragt nach, wie es ihnen geht. Vereinbart Videocalls mit ihnen, sodass ihr euch zumindest digital sehen könnt – für viele ist das deutlich erfüllender als ein gewöhnliches Telefonat, da ihr euch sehen könnt. Fragt eure Menschen am besten, wie diese am liebsten Kontakt halten wollen, damit sie sich dabei möglichst wohlfühlen.
  • Nehmt es euren Menschen nicht übel, wenn diese sich nicht regelmäßig bei euch melden. Es ist möglich, dass sie in einer Phase sind, in denen es ihnen besonders schwerfällt, ihre sozialen Kontakte zu pflegen. Es ist auch möglich, dass sie sich selbst als Belastung sehen und bewusst keinen Kontakt suchen. Sollte euch das auffallen, meldet euch bei ihnen und fragt nach.
  • Be kind to each other. Sagt euren Menschen, – jetzt vielleicht noch häufiger als zuvor – wie wichtig sie euch sind und wie sehr ihr euch auf die gemeinsame Zeit mit ihnen freut, wenn wir unsere Tage wieder gemeinsam draußen verbringen können.

Wenn ihr selbst mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen habt:

  • Be kind to yourselves. Ihr begegnet in eurem gewöhnlichen Alltag schon genügend Herausforderungen – jetzt umso mehr. Es ist okay, wenn ihr struggelt und es ist richtig, wenn ihr dann eure Menschen um Hilfe bittet. Eure Menschen sind für euch da, sie unterstützen euch, so gut sie können.
  • Nehmt es euren Menschen nicht übel, wenn diese sich nicht regelmäßig bei euch melden. Aufgrund von Social Distancing können sie nicht sehen, wie es euch gerade geht. Und vielleicht struggeln sie selbst gerade und vergessen darüber, sich bei euch zu melden. Benötigt ihr aber den sozialen Kontakt, meldet euch bei euren Menschen, sofern es euch gerade möglich ist. Sie lieben euch und sie wollen euch helfen.
  • Sofern ihr in Therapie seid, vereinbart Video- oder Telefonsitzungen. Lasst eure Therapiestunden nicht ausfallen, sondern bittet eure Therapeuten darum, die Sitzungen via Telefon oder Video abzuhalten. Behaltet diese Routine bei; eure Therapeuten können euch vor allem jetzt unterstützen – und finden möglicherweise neue Wege, um euch zu entlasten.

Was mir außerdem hilft:

  • Trennung der Bereiche in meiner kleinen Wohnung. Mein Esstisch wurde zum Arbeitsplatz umfunktioniert. Der Arbeitslaptop bleibt immer dort und darf maximal mit mir für eine sonnige halbe Stunde auf die Fensterbank – auf keinen Fall aber auf meine Couch oder in mein Bett. Dafür darf mein privater Laptop niemals in meinem Home Office-Bereich stehen.
  • Routine mit Freunden und Arbeitskollegen. Unsere Agentur hat einen Hangouts* Chat zur digitalen Küche umgewandelt. In dieser trifft sich ein Teil von uns jeden Arbeitstag gegen 12.30 zum Mittagessen, am Vormittag oder Nachmittag wird vereinzelt zu Kaffeepausen aufgerufen – wie sonst auch im Büro. Zusätzlich behalten wir tegelmäßige Feierabendcalls bei. Selbst wenn ich hier nur für 10 Minuten dabei bin, helfen sie mir, den Tag gemeinsam mit den Kollegen abzuschließen.
  • Sport. Eine kleine Gruppe an Arbeitskolleginnen, mit denen ich normalerweise jeden Mittwochmorgen Yoga mache, hat sich für drei Tage die Woche zum Digital Yoga verabredet. Die Tage dazwischen gehe ich laufen.

*Hangouts ist ein Dienst von Google, über den ihr Meetings via Video abhalten könnt. Alternativ könnt ihr hierfür auch Skype oder Zoom (in der kostenfreien Version nur für 40 Minuten) nutzen.

So with all that being said: Thank you, community, thank you, little circle of mine. For being there, when I need you. For checking up on me, when I’ve not talked to you in days. For having videocalls with me – even if there’s literally nothing happening we always find something to talk about. Thank you also for telling me how much you love me – especially when I’m in a mood where I fear that you stopped loving me at all. Thank you for being there and thank you for being my little circle.

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