Thank you, my people: Warum eure Liebe manchmal überwältigend ist

It’s not gonna be pretty, but it’s my truth, and if I don’t share it, I won’t be able to help others who are struggs to func.”

– Jonathan van Ness /  Over the Top: A Raw Journey to Self-Love

Es gibt Phasen einer Angststörung, in denen sich die Gedanken ununterbrochen um die eigene größte Angst drehen – mal ausgelöst von der Absage eines Freundes, mal von mehreren fehlenden Rückmeldungen in WhatsApp-Chats oder einfach von einem Instagram-Post, in dem jemand ganz eindeutig Spaß mit seinen Freunden hat, während man selbst allein zuhause sitzt. Und das, obwohl man sich ursprünglich auf die qualitative Zeit mit sich selbst gefreut hatte.

Wie sich diese Angst zeigt

Wie ich schon im Beitrag zur Therapie geschrieben habe, ist meine größte Angst, irgendwann einmal allein dazustehen. In solchen Phasen zeigt sich diese Angst beispielsweise dadurch, dass ich mich in den Gedanken reinsteigere, jemand wolle vermutlich ohnehin nicht mit mir befreundet sein , da er sich seit Stunden oder Tagen nicht auf meine Nachricht gemeldet hat – und das, obwohl ich es manchmal selbst total verkacke, mich zurückzumelden. Die Angst kann auch durch den Gedanken zum Vorschein treten, dass meine Freunde oder Geschwister niemals so viel Spaß hätten, wie sie laut Instagram gerade augenscheinlich mit anderen Menschen haben.

Dass diese Gedanken absolut irrational sind und im Regelfall jeder Grundlage entbehren, ist mir absolut bewusst. Inzwischen bin ich dank der Therapie soweit, dass ich mich relativ schnell aus solchen Gedankengängen ziehen kann, bevor sie zu auslaugenden Spiralen werden.

Ein Social-Media-Tipp für alle, die damit ebenfalls strugglen: Alle Stories, die bei euch ein ähnliches Gefühl auslösen, einfach stumm schalten – das hat nichts damit zu tun, dass euch die Erlebnisse anderer Leute egal sind, sondern einfach damit, dass ihr den für euch notwendigen Detox betreibt.
Falls ihr einen Schritt weitergehen könnt: Es ist ein extrem befreiendes Gefühl, an einem Abend, den ihr nur mit euch verbringt, das Internet am Smartphone auszuschalten – oder direkt das Gerät selbst. Das bringt euch gar nicht erst in Versuchung, Instagram, TikTok & Co. zu öffnen.

Warum ich euch für eure überwältigende Liebe so dankbar bin

Trotz aller Therapiestunden und coping mechanisms der letzten 1,5 Jahre finde ich mich noch immer zeitweise in Phasen wieder, in denen es mir sehr viel schwerer fällt, mich aus negativen, abwärts gerichteten Gedanken zu ziehen. Dann hilft es mir, wenn ich auf Nachrichten zurückgreifen kann, die ich von meinen Menschen erhalten habe – und in denen sie für mich niedergeschrieben oder mir erzählt haben, wie wichtig ich ihnen bin.

So beispielsweise vergangenes Wochenende: Klar, ich hatte Geburtstag und klar, da melden sich viele Leute mit allen Glückwünschen einmal durch die Grußkartenabteilung weg. Freut mich, dass Facebook euch daran erinnert hat.

Mir geht’s aber um die Menschen, die mir zeigen, dass ich genauso zu ihren Personen gehöre wie sie zu meinen.

Da gibt es Arbeitskollegen, die über die letzten Monate – und in Einzelfällen auch Jahre – zu meinen guten bis engsten Freunden geworden sind und ihre Freundschaft zu mir in selbstgeschriebenen und -gebastelten Valentinskarten oder einem noch vor 8 Uhr fertig dekorierten Arbeitsplatz zeigen. Da gibt es die beste Freundin, die mich mit unserem Fotoalbum an die ganzen einmaligen Erinnerungen der vergangenen vier Jahre erinnert und mich vor Freude fast zum Weinen bringt.

Da gibt es eine Freundin, mit der ich Deep Talks und Real Talks in belastenden Wochen geführt habe und die mir dank dieser gemeinsamen Erfahrungen ganz offen sagt und schreibt, dass sie mich liebt. Da gibt es eine langjährige Freundin, die viel zu weit weg wohnt und mir mit ihren Sprach- und Textnachrichten trotzdem immer wieder beweist, wie gut diese Freundschaft auch über eine Distanz von über 400 km hält. Da gibt es die wundervolle Freundin, die genau weiß, wie beschissen sich meine Angststörung manchmal anfühlt, weil sie selber auch darunter leidet und immer das größte Verständnis für meine verrücktesten Gedanken hat.

Da gibt es meinen Papa, der mir in seiner ihm eigenen pragmatischen, humorvollen Herangehensweise sagt, dass er immer für mich da ist und immer hinter mir steht, egal welche Phase ich gerade durchmache. Und da gibt es seine Frau, die mein Ego mit ihren Komplimenten boostet und mir die Freiheit zugesteht, auch nicht über mein Privatleben reden zu müssen – und mir gleichzeitig ganz ohne Druck deutlich macht, dass sie im Fall der Fälle ein offenes Ohr hat.

Und wenn mir an solch einem Tag, an dem ich so mit ernstgemeinter Zuneigung überschüttet werde, auch noch mein kleiner Bruder seine Liebe zu mir in drei kurzen Sätzen verschriftlicht, gibt mir das den Rest. Dann bin ich so überwältigt, dass ich mich am liebsten für fünf Minuten zum Weinen in eine stille Kammer verziehen würde.

Warum das so ist?

Vermutlich, weil ich in solchen Momenten erst bemerke, dass ich mir diese Art von Zuneigung anderer Menschen nicht zugestehe. Weil meine Angst manchmal Oberhand gewinnt und mich glauben lässt, dass ich solche Liebe nicht verdient habe – und das eigentlich irrationaler Bullshit ist. Weil es für mich nicht normal ist, dauerhaft bedingungslose Zuneigung zu erhalten – einfach, weil mich Menschen mögen, wie ich bin. Weil ich in solchen Momenten ausnahmsweise erkenne, wie sehr mir die Liebe zurückgegeben wird, die ich meinen Menschen gebe.

Ich habe diesen Beitrag nicht verfasst, um Mitleid zu erhalten – davon hab ich selbst genug, behaltet den Scheiß also gern für euch. Ich habe das Ganze aufgeschrieben, weil ich mich nicht nur bei den „Celebrities“ für ihren Einfluss auf mein Leben bedanken möchte, sondern auch bei den ganz „normalen“ Menschen, die mein Leben Tag für Tag bereichern. Denn hätte ich euch nicht, hätte ich keinesfalls die Kraft, meine psychischen Probleme tagtäglich anzugehen und meinen Alltag so zu formen, dass ich mein bestmögliches Leben leben kann.

So thank you, my people: For always being there when I need you, for showing me how much you love me, for being sympathetic and patient in difficult moments and for never ever telling me that my thoughts or feelings are bullshit. I love you.

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