Thank You, NF: Warum deine Musik meinen Blognamen inspiriert hat

Clean out my yard, get the noose out.
Hang up my heart, let it air out.“

– NF / The Search

„The Search“ war der erste Song, den ich jemals von NF gehört habe – und eines der wenigen Musikstücke, bei denen ich sowohl musikalisch als auch lyrisch schon in den ersten Sekunden das Gefühl hatte, angekommen zu sein. Ein ungewohntes Gefühl für mich; immerhin bin ich von klein auf durch die Rockszene geprägt und hatte, mit Ausnahmen wie Eminem und den gelegentlichen 90er-One-Hit-Wondern, nicht viel mit Rapmusik am Hut.

Möglich, dass mich die musikalische Nähe zu Eminem noch mehr von NF – mit bürgerlichem Namen Nathan John Feuerstein – überzeugt hat. Was mich letztendlich jedoch an diesen 28-jährigen Musiker fesselt, sind seine Texte: So oft finde ich mich selbst in seinen Textzeilen wieder, so oft bewundere ich ihn für seinen Mut, seine eigene psychische Störung in den Fokus seiner Songs zu stellen.

Warum NF meine Zuflucht ist

Wenn man selbst mit einer Angststörung lebt und weiß, wie sich endlose Gedankenspiralen anfühlen, weiß, wie sich permanente Selbstzweifel anfühlen, weiß, wie depressive Stimmungen den eigenen Ängsten noch mehr Gewicht geben und weiß, wie schwer es ist und sich manchmal fast unmöglich anfühlt, sich selbst aus ein paar schwierigen Stunden, einen schwierigen Tag, einer schwierigen Phase wieder herauszuziehen… dann kann man den Schmerz, der in NFs Zeilen steckt, nahezu greifen und fühlt sich gleichzeitig verstanden. Deshalb ist NF zu meiner Zuflucht geworden; eine erleichternde Ergänzung zu all den Songs von Linkin Park, die mich in meiner Jugend so für sich eingenommen haben.

Ich fühle mich nicht nur verstanden, sondern weiß beim Hören seiner Stücke auch, dass ich nicht allein bin. Und dass es okay ist, zu struggeln. Dass es okay ist, manchmal an den eigenen Ängsten und dem selbst auferlegten Druck zu zerbrechen. Dass es okay ist, wenn sich manche Tage wie die Hölle anfühlen, obwohl nichts passiert ist – lediglich die eigene Verfassung bringt einen aus dem Gleichgewicht.

Und das Wichtigste: Dass es okay ist, wenn man eine psychische Erkrankung hat. Dass fast jeder von uns Dinge erlebt hat, die ihn negativ beeinflussen – oft bis zu dem Punkt, an dem wir noch Jahre später daran zu knabbern haben. Und teilweise sogar bis zu dem Punkt, an dem wir verstehen müssen, dass wir bestimmte Automatismen nicht mehr abschütteln können. Stattdessen müssen wir lernen, damit umzugehen, um im Alltag besser klarzukommen.

In Songs wie „The Search“ oder „Leave Me Alone“ setzt NF sich mit Ängsten, Zweifeln, Gedankenspiralen und dem Gefühl auseinander, nicht vor den eigenen Gefühlen und Gedanken wegrennen zu können, bis diese sich aufblähen und zu explodieren drohen.
Besonders angetan hat es mir in dieser Hinsicht aber der Song „Nate“: Hier spricht NF sein jüngeres Ich an, versucht ihn darauf vorzubereiten, was er noch alles wird durchmachen müssen – versucht ihm aber im gleichen Atemzug die Hoffnung zu geben, dass er all das irgendwie durchstehen wird. Er erklärt ihm, wie seine negativen Erfahrungen ihn prägen werden und gleichzeitig bietet er ihm – und damit sich selbst – ein offenes Ohr und Unterstützung an.

Wie NF die Rap-Welt verändert

Während viele andere Rapper ihre Liebe zu Frauen, Geld und Party ausdrücken, ist NF einer der wenigen Musiker in der Szene, die sich mit ihren Gefühlen und ihren negativen Erfahrungen auseinandersetzen. Er rappt über seine Zwangsstörung und über deren Ursachen: den Drogenmissbrauch seiner Mutter, die häusliche Gewalt – und schließlich den Tod seiner Mutter, als er selbst erst 18 Jahre alt war.

Letzteres verarbeitet er in seinem Song „How Could You Leave Us“ – und zeigt sich im Musikvideo mit Tränen im Gesicht. Verletzlich, emotional, von Trauer geprägt – all das, was viele Rapper möglichst versuchen zu vermeiden, um das Bild der toxischen Maskulinität aufrecht zu erhalten. NF jedoch bleibt ganz bewusst lieber Außenseiter und wird damit zu einem Rapper, der sich durch seine Tiefgründigkeit, seine Ehrlichkeit und seine Authentizität eine krasse Fangemeinde aufbaut.

Dass NF Christ ist und dies teilweise auch in seinen Texten verarbeitet, stört mich als überzeugten Atheisten nicht. Denn statt seinen Fans seinen Glauben aufdrücken zu wollen, respektiert er, dass sein Publikum möglicherweise Glaubensrichtungen anhängt. Laut dem Magazin pipedream.online macht NF keine christliche Musik, sondern schreibt und singt über Dinge, die ihn beschäftigen: „You don’t have to be Christian to relate to them“. Und Recht hat er: Denn selbst wenn wir alle an unterschiedliche Götter oder Wissenschaften glauben, verbindet uns doch die Tatsache, dass wir gemeinsam mit NF unsere Gedanken, Ängste, Zweifel und Emotionen aufarbeiten wollen.

Anyway: Thank you, NF. For rapping, singing and talking about mental health, for focussing on mental health issues, their roots and their symptoms. And for not shying away from possibly being stigmatized.

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