Thank You Fever333: Warum es mehr Bands wie euch geben sollte

Shoutout to all the women in the crowd. I hope you feel save tonight.“

– Jason Aalon Butler / Fever333

Spätestens bei diesen Worten von Fever333-Sänger Jason Aalon Butler wusste ich, dass ich diesen Blog, über den ich nun schon Wochen nachgedacht hatte, würde gründen müssen. Jasons Worte, dazu der von Trauer, Wut und Tatendrang gezeichnete Mix aus Hip-Hop und Rock, der sich irgendwo zwischen Linkin Park und Rage Against the Machine ansiedelt, und nicht zuletzt der Wunsch, diese Welt wenigstens für diese Band ein klein wenig besser machen zu wollen, haben sich zu dem zündenden Funken zusammengeschlossen, aus dem sich airingoutmyheart.com ergeben hat.

Am Dienstag Abend durfte ich Fever333 zum zweiten Mal live sehen. Schon im Juni rockten sie die Bühne während ihres Auftritts beim Rock am Ring – Jason, der mitten durch die Menge begeisterter Fans lief, um auf dem Dach eines Übertragungsturms seine Ansprache zu halten; Aric Improta, der sein einzigartiges Können an den Drums mit faszinierenden Stunts untermalte; Stephen Harrison, der am Ende des Konzerts am Bühnengerüst hochkletterte, um die letzten Gitarrenriffs aus luftiger Höhe zu spielen.

Schon damals begeisterte mich das Trio nicht nur mit seiner unvergleichlichen Musik, sondern vor allem mit seinem Motiv: Das Schweigen zu brechen, eine Konversation zu starten, sich gegen Rassismus, Seximus sowie Homophobie aufzulehnen und diejenigen zu unterstützen, die einer diskriminierten Minderheit angehören.

Warum politische Musik so wichtig ist

Die politische Message von Fever333 legt – der Herkunft der drei Musiker geschuldet – vor allem einen Fokus auf das amerikanische System: Mit Songs wie „Trigger“, „Made an America“ oder „Hunting Season“ kritisiert die Band die viel zu lockeren Waffengesetze in den USA sowie die noch immer erhöhte Polizeigewalt gegen People of Color.
Doch gerade in Zeiten von Donald Trump, Boris Johnson, der AfD und weiteren rechtsgerichteten, rassistischen, sexistischen, homophoben, transphoben, biphoben Politikern muss diese Message sowohl Amerikaner als auch Europäer – und eigentlich die gesamte Welt – erreichen.

Umso begeisterter war ich, als ich erfuhr, dass Fever333 neben ihrem RaR-Auftritt auch eine „D333monstration“-Tour durch Europa machen würde. Denn live auf der Bühne, umringt von jubelnden Fans, kann das Trio seine explosive Musik und seine politische Bewegung am besten vermitteln.

So starten Konzerte häufig mit Mitschnitten von Demonstrationen, die unmittelbar in den ersten Song übergehen – zu Beginn des RaR-Auftritts überraschte Jason sogar damit, von zwei Männern auf die Bühne geführt zu werden, während sein Kopf von einem weißen Sack bedeckt war.

Warum wir einen sicheren Raum für alle schaffen müssen

Während der Konzerte fesselt Fever333 jedoch nicht nur mit Überraschungsmomenten und Musik, sondern auch mit den Ansprachen, die Jason nicht müde wird zu halten. Er spricht davon, dass Frauen respektiert werden müssen, dass sie sich sicher fühlen müssen. Er spricht davon, dass People of Color rein aufgrund ihrer Hautfarbe noch immer verfolgt werden und wir wenigstens für seine und unsere Kinder, für die Generationen nach uns, eine Gesellschaft schaffen müssen, in der Menschen keine Angst davor haben müssen, einfach zu sein, wer sie sind – in der Kinder unabhängig ihrer Hautfarbe, ihrer Sexualität, ihres Geschlechts sicher aufwachsen können.

Was mich beim RaR-Auftritt am meisten überrascht und bedrückt hat: Also Jason davon sprach, wie sicher er sich in Deutschland fühle. Denn mit Blick auf die immer stärker werdende AfD, mit Blick auf meinen eigenen Alltag als Frau – in dem es schon fast normal geworden ist, dass man regelmäßig belästigt wird – und mit Blick auf Freunde und Bekannte, die aufgrund ihrer Hautfarbe und/oder Sexualität mit Diskrimierung zu kämpfen haben, empfinde ich Deutschland nicht als so sicher, wie ich das für das Jahr 2019 erwarten würde. Wie viel schlimmer ist es dann in den USA, wenn Deutschland in Jasons Augen sicher scheint?

Oder liegt es daran, dass wir Fans während dieser Konzerte dank der politischen Message von Fever333 eine Komfortzone geschaffen haben für all diejenigen, die benachteiligt werden? Und wenn das der Fall ist, können wir es nicht dann auch schaffen, außerhalb dieser kleinen, intimen Fankreise eine dauerhafte Komfortzone zu entwickeln?

Anyway: Thank you, Fever333. For encouraging the discussion, for breaking the silence and for starting a revolution, that hopefully will make this world a better place for everyone. We ARE the majority.

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